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Barbara Liechti

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Wie das Gemeinschaftsgefühl ein Revival erlebt

"Wer nicht will, dass der Wind sein Haus zerstört, muss die Fenster öffnen, damit der Wind hindurch kann"

-Aus Asien-

Wir Menschen sind als soziale Wesen aufeinander angewiesen. Viele machen ihr Selbstwertgefühl unter anderem abhängig von ihrer sozialen Identifikation, von ihrem Platz in der Gesellschaft. Jeder Mensch will dazugehören, wichtig sein, beitragen können, ja „jemand sein“. Wir leben mit und von unserem Umfeld. Auf Dauer isoliert, ausgeschlossen, abgegrenzt zu sein tut uns nicht gut. Während des Corona-Lockdowns 2020 ist für Millionen von Menschen jedoch genau dieses Szenario zur täglichen Realität geworden. Wir sind auf eindrückliche Weise von einem Moment zum nächsten aus unseren Strukturen, Routinen sowie Selbstverständlichkeiten herausgerissen worden. Das bislang als für viele selbstverständliche Gemeinschaft- und Zugehörigkeitsgefühl schien auf einmal kaum mehr möglich zu sein und durfte neu entdeckt und erlebt werden. Die Konfrontation mit unseren Lebensbereichen respektive Lebensaufgaben wurde zur täglichen Herausforderung.

Die drei sozialen Lebensaufgaben (nach Alfred Adler 1870-1937)

  • Die Liebe – Nächstenliebe und Selbstliebe

  • Die Arbeit – als Rahmen des Alltags

  • Die Gemeinschaft – das Wir

Das Undenkbare traf ein: Physische Nähe, Umarmungen waren plötzlich zu unterlassen, ja fast strafbar. Treffen mit Gleichgesinnten auf einmal kein Thema mehr. Gefühle von Ohnmacht und Einsamkeit machten sich breit. Obwohl es im heutigen Zeitalter zahlreiche technische Möglichkeiten gibt, sich mit anderen „zu treffen“, ist dies online nicht dasselbe: Wichtige Informationen wie Körpersprache, Mimik, Geruch, Atmosphäre… all dies fehlt. Auf Dauer fühlt es sich – jedenfalls aus meiner Wahrnehmung heraus – nach „gemeinsam einsam“ an.

Auf der Suche nach anderen Lösungen

Denken – Fühlen – Handeln wird (wieder) zur bewussteren Aktion. Die Kraft liegt in der Tatsache, dass wir für uns selbst immer wieder entscheiden dürfen, wie wir mit der aktuellen Lebenssituation umgehen wollen. Wie wollen wir darüber denken, dass wir uns unserem Gegenüber nur noch bis auf zwei Meter nähern dürfen? Wie wollen wir damit umgehen, dass der Händedruck bis auf weiteres untersagt ist? Wie begrüßen wir unser Gegenüber dennoch wertschätzend? Dieser Aufbau von räumlicher und irgendwie auch emotionaler Distanz ist etwas, womit sich meine Generation bislang nicht hat befassen müssen. Vielleicht tut es dennoch auch gut? Längst nicht alles an dieser Ausnahmesituation ist schlecht. Im Gegenteil – sofern Positives und Ressourcen gesehen werden wollen. 

Die Liebe, die Güte, die Gemeinschaft können gestärkt werden. Und vielleicht konnte der eine oder andere darin Qualitäten entdecken, die ihm bisher verborgen geblieben waren. Vielleicht konnte auf einmal die Erfahrung gemacht werden, dass in der Gemeinschaft, im „Wir“ Vieles einfacher von der Hand geht. Man ist eben nicht alleine. In Bezug auf die Arbeitsroutine hat sich ebenfalls alles verändert: Existenzen sind bedroht, wirtschaftliche Ängste sind Realität. Doch auf der anderen Seite entfiel beispielsweise für zahlreiche Frauen und Männer mehrere Wochen lang der tägliche Wahnsinn auf der Straße. Fazit: Und es geht doch weiter. Wie wohltuend ist die Erkenntnis, dass es auch anders geht!

Zwei persönliche, tragende Lebensaufgaben (nach Rudolf Dreikurs und Harald Mosak benannt)

  • Das Selbst – wie kann ich es mit mir selbst

  • Der Kosmos - das große Ganze

Darf ich eine Hypothese aufstellen? Gehen wir davon aus, dass das Selbstwertgefühl eine tragende Persönlichkeitsbasis bildet. Wir vertrauen uns selbst, wissen, dass wir auch mit Neuem umgehen können. Dies befähigt uns Menschen mit solchen Extremsituationen wie in 2020 umgehen zu können. Das Denken in Varianten gibt Raum festgefahrene Abläufe zu verlassen und andere Möglichkeiten des Miteinanders, der Gemeinschaft zu entdecken. Und das Verrückte dabei ist: Mitunter fühlen wir uns dabei auch noch gut! Welch unschätzbar wichtige Ressource sie ist, die rasche Anpassungsfähigkeit des Menschen!

Dankbar mitten im Alltag

Gerade in den vergangen Wochen und Monaten erfüllte mich immer wieder eine große Dankbarkeit. Dankbar dafür, wo und wie ich leben darf, dass die Menschen um mich herum gesund sind und ihrem Lebensalltag nachgehen können. Dankbar für die Gemeinschaft, die trägt. Wieder ist quasi der Beweis erbracht, dass wir Gestalter unserer eigenen Realität sind. Das Wissen darum, wichtig zu sein, gebraucht zu werden und geliebt zu sein, hilft ungemein.

Mein Zuhause ist sehr ländlich gelegen und die täglichen Aufgaben, egal was „da draußen“ vor sich geht, geben Struktur. Das Essens zu kochen gehört ebenso dazu wie regelmäßig die Tiere zu versorgen. Die Tage sind ausgefüllt. Langeweile hat keinen Spielraum. Und das ist gut so, denn zum Grübeln bleibt so keine Zeit. Die rare freie Zeit verbringe ich mit meinen Lieben draußen im wunderschönen Garten, oder wir unternehmen einen Spaziergang in die unmittelbar vor der Haustür gelegene Natur. So zu leben ist ein großes Privileg! Immer wieder habe ich mich gefragt, wie Menschen mit der Lockdown-Situation umgehen, die diese Möglichkeiten nicht haben. Bei diesem Gedanken werde ich noch dankbarer.

Umso wichtiger ist es in allen fünf Lebensaufgaben „zuhause“ zu sein. Man könnte die Lebensweisheit bemühen: „Spare in guten Zeiten, dann hast du in der Not.“ Oder anders gesagt: Wenn wir unsere Lebensaufgaben pflegen und uns darin üben sie aktiv und bewusst(er) zu leben, sie zu stärken, haben wir unschätzbare Ressourcen zur Verfügung. Dies hilft, gerade auch um Zeiten wie die Corona-Krise emotional unbeschadet zu überstehen oder sogar gestärkt daraus hervorzugehen.

Was wirklich zählt

„Wer will, findet Wege – wer nicht will, findet Gründe“, heißt es in einer Redewendung. Wer im Lockdown nur Negatives, Schlechtes, Einschränkendes sehen wollte, wurde bestimmt fündig. Doch ich bin der festen Überzeugung, dass sich in jeder Krise auch zahlreiche Chance finden, etwa mit Blick auf Bewusstsein, Akzeptanz, Respekt, Nächstenliebe, Rücksicht, Dankbarkeit, Gemeinschaft, Liebe. Die Zeit des Lockdowns barg die Chance diese Werte neu zu entdecken, zu erleben, sie von einer anderen Seite kennenzulernen und im Miteinander auszukundschaften. Egal wie unangenehm eine Situation ist: Wir haben stets die Wahl, wie wir damit in unserem Denken, Fühlen, Handeln umgehen wollen.

Wenn ein Mensch (s)einen Platz in der Gemeinschaft hat, kann er zum Gemeinwohl und in der Folge auch zu seinem eigenen Wohl konstruktiv beitragen: Ich gehöre dazu! Ich bin wichtig! Ich bin wertvoll! Diese und ähnliche Grundüberzeugungen werden aktiv erlebt und dieser Mensch fühlt sich bestärkt, ermutigt, geliebt. Doch von nichts kommt nichts. Wir sind immer wieder dazu eingeladen, die Gemeinschaft zu pflegen und ab und an die eigenen Bedürfnisse hinten anzustellen.

Kaum sind die strengen Regelungen gelockert oder aufgehoben, läuft vieles wieder wie zuvor. Das stimmt mich nachdenklich. Erkennen wir die jüngsten Erfahrungen doch besser dahingehend, dass das Leben in der Gemeinschaft deutlich freudvoller, einfacher, liebevoller, tragender gestaltet werden kann. Das bindende Element zwischen uns Menschen ist erlebtes Gemeinschaftsgefühl. Es lässt uns mutig die Aufgaben des Alltags und des Lebens überhaupt anpacken. Es hilft uns dabei, stets weiterzumachen, Steine auf dem Weg, Unvorhergesehenes anzunehmen um damit klarzukommen. Es hilft uns, füreinander in Liebe und Respekt da zu sein. Ich wünsche Ihnen ermutigende, liebevolle Erfahrungen mit und in Ihrer Gemeinschaft!

„Manche Dinge lernt man am besten in der Stille, andere im Sturm.“ Willa Cather

Das kann ich (nicht)!

Seit nun über einem Jahr poste ich jeden Tag in den sozialen Medien eine selbst gestaltete Zeichnung. Die Motivation dazu ist mein Wunsch, anderen eine Freude zu bereiten, einen Input zu geben, auf spezielle Weise etwas von mir zu erzählen, zu ErMUTIGen, zu Inspirieren, zu UnterStützen.

Das ist es, was wir Menschen voneinander benötigen; ErMUTIGung, UnterStützung, Inspiration. Gerade auch dann, wenn’s schwierig wird – und auch sonst 😊

Das kann ich nicht
Auf die Idee selbst zu malen brachte mich eine liebe, langjährige Bekannte. Wir waren zusammen beim gemütlichen Abendessen, ein Wort ergab das andere und sie sagte mir: «zeichne doch selbst!». Ich schaute sie konsterniert an und das Einzige, was mir dazu in den Sinn kam zu sagen war: «ich kann nicht zeichnen!» Sie lächelte mich an und sagte: «probier’s doch wenigstens zuerst aus!»

Wie oft sagen wir «ich kann nicht…» und lassen eine Idee gleich wieder im Keim ersticken?

Mein Wesen ist u.a. so gestrickt, dass ich zu neugierig bin… und ich’s dann doch herausfinden will, ob ich’s kann. So habe ich damals, im November 2017 damit begonnen… mit dem Zeichnen. Das Internet ist voll mit Anleitungen, Ideen… das Üben ist mir selbst überlassen – wie oft, wie intensiv, welche Formen, wie mit Farben gespielt werden kann… die Möglichkeiten sind unendlich.

Bald einmal stellte ich fest, dass ich zu Vergleichen begann. Oh… wie schön diese und jene Vorlage. Wie exakt, wie präzise und genau, wie ideenreich… «das kann ich alles nicht». Und schon war er da, der innere Frust, das negative Selbstgespräch, die selbstgestrickte Entmutigung. Ich legte meine Zeichenwerkzeuge beiseite, ich resignierte. Und das Selbstgespräch lautete entsprechend: «Ach… das bringt ja eh nix. Das gefällt ja sowieso niemandem».  

Wem soll’s denn passen?
Primär mir. Und so habe ich mich entschieden, weiter zu Üben. Neue Formen, andere Farben. Und habe so nach und nach meine eigene Technik gekoppelt mit der erlernten entwickelt. Ich bekam Freude an meinen Designs und ja, ich war stolz auf mich. Ich bin am Ball geblieben!

Heute zeichne ich manchmal einige Tage nacheinander. Dann gibt’s eine Pause. Ganz, wie es mir gerade geht, wonach ich Lust habe. Den Druck zeichnen zu müssen, habe ich abgelegt. Auch das Vergleichen habe ich nicht mehr nötig. Sinn und Zweck des Vergleichens ist ja eh nur, sich schlecht zu fühlen, etwas negativ zu Bewerten. Das Vergleichen ist der sicherste Weg sich schlecht fühlen zu können.  

Die Entscheidung sich gut fühlen zu wollen - verstehe deine Einzigartigkeit
Jeder Mensch ist einzigartig. Es gibt keine Zweitausführung. Jede Zeichnung ist ein Unikat. Jeder Moment findet jetzt gerade statt und mit dem nächsten Augenzwinkern ist dieser Moment Vergangenheit und der Nächste Gegenwart.

Viel zu schnell sagen wir: „das kann ich nicht!“ Dabei muss es längst nicht um kreative, künstlerische Inhalte gehen. Es geht um die Lebensführung grundsätzlich. Um die Bereitschaft etwas anderes sehen, zulassen zu wollen. Es geht um die Bereitschaft die eingefahrenen Wege bewusst verlassen zu wollen, die eigene Komfortzone immer wieder aufbrechen zu wollen.

Wenn ein Mensch von Kindsbeinen an gelernt hat rational zu funktionieren hat er vermutlich nicht gelernt, wie er mit Gefühlen umgehen soll. Also lässt er diese lieber weg resp. hält sie unter dem Deckel. Solange, bis im Leben eine Situation eintrifft, die mit keiner bekannten Strategie zu bewältigen ist. Und dann kommen sie hoch… die Emotionen, die Gefühle… und wirken so unglaublich überwältigend. Dies kann eine wunderbare Einladung sein, sich selbst von einer anderen Seite kennen zu lernen.  

Nur wer Anderes, Neues zulässt erfährt auch Anderes, Neues. So können wir selbst und mit dem Leben wachsen.

Und so heisst das Selbstgespräch neu: „ich kann das!“

Achtsamkeit beginnt bei dir

Manchmal kommt es mir so vor, als ob die Menschen in ihrem eigenen Miniuniversum unterwegs sind. Kein Blick nach links. Kein Blick nach rechts. Das eigene Leben wird tagein tagaus abgespult.

Es ist November und in meiner Region hat es oft und zum Teil dichten Nebel. Manchmal sind’s „nur“ Nebelbänke. Doch darum geht es nicht.

Achtsam sein. Sehen und gesehen werden.

Sie ist im Strassenverkehr wie im Leben per se wichtig.
Die Achtsamkeit.
(Zu) oft sind wir mit unserem täglichen Leben (zu) beschäftigt und gehen stets von der eigenen Wahrnehmung aus. Für das Individuum ist klar was richtig und was falsch ist, „wie es läuft“.

Wenn’s dunkel ist, schalten wir an unseren Fahrzeugen das Licht ein. Bei Tag benötigen wir ja kein Licht. Wir sehen ja genug. Nun ist da dieser Nebel. Eigentlich ist’s hell. Doch die Sicht beträgt weniger als 50 Meter. Doch weil’s ja Tag ist, benötigen wir kein Licht. Diejenigen, die hinter uns fahren, sind äusserst dankbar, wenn wir uns sichtbar machen!

Ist es im Leben nicht auch so?

  • Wie machen wir uns im Leben sichtbar?

  • Was behindert die Sicht in unsere Leben?

  • Wo sind wir manchmal sogar blind und merken’s nicht?

  • Wie sorgen wir dafür, den Überblick zu haben?

  • Wie resp. woran orientieren wir uns?

·         Ich find‘ den Vergleich Strassenverkehr vs. Leben passend. Zahlreiche Parallelen verdeutlichen unseren Lebensstil sprich unsere Grundüberzeugungen. Welches Auto wir fahren. Klein aber oho! Oder gross und stark. Wie wir uns im Strassenverkehr verhalten. Welche Risiken wir eingehen. Ob wir uns des möglichen Preises bewusst sind? Und wie befassen wir uns mit eben dieser Frage; die Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen? Wir setzen uns in unser Auto und fahren los. Wie immer.

·         Bei Nebel mit Sicht unter 50 Meter ein gewagtes Überholmanöver. Na jaaa… gestern um diese Zeit kam ja auch keiner entgegen… wird schon gut gehen… Das eigene Programm wird gedankenlos abgespult. Die Prioritäten setzen wir ebenso; nur noch schnell dies und das erledigen… Der Fahrradfahrer, der entgegenkommt…

·         Unachtsamkeit, Unüberlegtheit und in Sekundenbruchteilen kann sich alles verändern

Wir setzen uns in unser Auto und fahren los. Wie immer. Wir verschwenden keinen Gedanken an unsere jahrelangen Macken, Handlungsabläufe. Alles läuft im Autopilotmodus. So doch auch im Leben; ist es nicht so? Wir stehen morgens auf und das Tagesprogramm spult sich ab. Unser Denken ist stets dasselbe. Unsere Gefühle und unser Handeln dazu ebenfalls. Und abends schauen wir auf einen weiteren Lebenstag zurück. Ein Tag wie jeder andere auch. Nichts hat sich verändert.

·         Achtsamkeit – sich reflektieren

Wie erfrischend ist es da sich ab und zu reflektieren zu lassen. Kürzlich las ich einen Kommentar eines Mannes, der seit über 30 Jahren Auto fährt. Er hat sich bei einem Fahrlehrer eine Stunde Refresher gegönnt und so einiges über seine Mödeli und seinen Fahrstil erfahren. Blinde Flecken sind (wieder) bewusster geworden. Und schon sitzt dieser Mann mit einer anderen Grundhaltung hinter’s Steuer.

·         Ich bin davon überzeugt, sich selbst zu reflektieren gehört einfach mit zum Leben dazu.

·         Stehe still und sammle dich. Bewusst eine Situation wahrnehmen und sich auch mal selbst beobachten. Oder sich auch von aussen reflektieren lassen. Dies sind immer wieder sehr erhellende Momente. Ich bin stolz auf jeden Menschen, der dies immer wieder ganz bewusst tut; das Herz in die Hand nimmt und den Blick in den Selbsterkenntnisspiegel immer wieder ganz bewusst und achtsam tut.

·         Was wir dann aus diesen Erkenntnissen machen… ja das ist ganz gemäss der Tatsache, dass wir Menschen Entscheidungen treffende Wesen sind, dem Individuum überlassen. Ich erMUTIGe dazu etwas zu verändern… um andere Erlebnisse haben zu können.

·         Ich wünsche euch allen stets allzeit gute und sichere (Lebens)-Fahrt!